Marcello Fois: Zwischen den Zeiten

// RÜCKSCHAU & NACHLESE / ZUR VERANSTALTUNG VOM 01.06.2014

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Sardinien im Oktober 1943. Vincenzo Chironi lebt Zwischen den Zeiten: Er ist auf der Suche nach seiner Vergangenheit und einer Zukunft. Aufgewachsen ist er in einem Waisenhaus in Triest. Viele Jahre war er der Sohn von niemand. Nun hat er wieder einen Namen und ist auf dem beschwerlichen Weg nach Núoro, zu seiner Vaterfamilie, in seine sardische Heimat - die für ihn noch keine ist. Im Haus der Chironi leben noch der Großvater, der ehemalige Meisterschmied Michele Angelo, dem nach allen Tragödien nur die Tochter geblieben ist. Alles wirkt wie eine Wiedergutmachung, ein schicksalhaftes Wunder in diesem tragischen Familienepos.

„ (…) Das Leben ringsum wurde immer stürmischer, zeigte sich in Gestalt riesiger Rabenvögel und winziger Nagetiere, kriechender Nattern und kleiner Wildschweine. Es bestand ein deutliches Missverhältnis zwischen den Bewegungen, die man mit dem Gehör und denen, die man mit den Augen wahrnahm. Es waren knackende Geräusche im Innern klebriger Zystrosenbüsche oder ein rasches Zupfen an den Wipfeln des Oleasters und der Johannisbrotbäume, oder noch ganz anders das Zischeln zarten Spargelgrüns. So manches Gerippe eines gerissenen wilden Tiers bezeugte, dass auch an diesem abgeschiedenen Ort die täglichen Exerzitien des Überlebens stattfanden. Das lebenspendende Unreine behauptete sich gegen die Grabesstille der Reinheit. Die Abwesenheit des Lebens schlechthin hatte jedes Ding klar und rein gemacht, die Menschen und die Erde zum Schweigen gebracht, und so erschien die Rückkehr ins fieberhafte Treiben der Promiskuität als geradezu wünschenswert. Dort, wo das Leben seiner Vollendung zutrieb, war die Luft mit einem Schlag gut zu atmen. Als hätten sich am Ende der felsigen Wegstrecke plötzlich die Tore der Erde geöffnet.

Das Meer zeigte sich unbeirrt zu seiner Linken, und Vincenzo seufzte, als hätte er erst in diesem Augenblick das Haus des Herrn betreten. Aus dieser Höhe betrachtet nahm das Wasser nach und nach eine stimmige Färbung an.“

aus dem Kapitel:
Die Dämmerung der dinglichen Welt


IMPRESSIONEN


Pressestimmen

// FAMILIENGESCHICHTE - Für immer vereint / Deutschlandradio Kultur
zum Artikel

// Sehnsucht nach dem Alten begleitet den Fortschrittsglauben / Badisches Tagblatt
// Neues Leben / Badische Neuste Nachrichten
// Einladung / Italienisches Kulturinstitut Berlin
// Die Andere Bibliothek
// DA - Società Dante Alighieri Comitato di Basilea

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